
Anna-Lena bittet um eine Tarot-Beratung. Sie möchte eine Standortbestimmung ihrer persönlichen Entwicklung vornehmen. Anna-Lena tanzt in einer Gruppe für freien Ausdruckstanz. Für die Legung macht sie folgenden Vorschlag: Sie möchte sich die Bedeutungen, die die Karten für sie haben, tanzend erschließen, bevor wir darüber sprechen. Sie hat bislang nur kurze Berührungen mit dem Tarot gehabt.
Außerdem hat sie ein Thema mitgebracht, das beim Tanz in der Ausdruckstanzgruppe in ihr aufgetaucht ist. Das möchte sie sich heute ebenfalls genauer anschauen. Ich bin gespannt.
Das verwendete Legemuster: Aus Tarot Heute Nr.24/09 nach Sandra Streit
(www.trivesca.de)
Tarot-Deck: Smith-Waite
Die Deutung: Ich deute die Karten der kl. Arkana anhand ihrer Zuordnung zu
den Sephiroth am kabbalistischen Lebensbaum und beziehe sowohl andere Deutungsmöglichkeiten mit ein, als auch die Gedanken, Gefühle und Assoziationen der Ratsuchenden.
Der Tanz: Anna-Lena setzt in ihrem Tanz nicht in erster Linie die auf der Karte
dargestellte Körperhaltung oder Bewegung der Figuren um, sondern knüpft an ihre inneren Empfindungen an. Sie schaut sich die Karte kurze Zeit an, beginnt zu tanzen, lässt ihre Gefühle und Empfindung aufsteigen und drückt diese mit ihrem Tanz aus. So erschließt sie sich den Sinngehalt, den die jeweilige Karte für sie bei dieser Legung hat.
Die Legung:
1. Hier stehe ich jetzt, das ist das wichtigste aktuelle Thema
| Ritter der Kelche |
Anna-Lena tanzt den Ritter mit langsamen Bewegungen, zuweilen aber auch schnellen rhythmischen Sequenzen und Sprüngen.
Während sie tanzt, denke ich, dass das Leben genau so ist. Mal geht es langsam, mal plötzlich sehr schnell, mal sieht es aus, als stehe es still oder laufe rückwärts – aber zusammengenommen geht es stets voran.
Nach dem Tanz sagt Anna-Lena, dass sie sich während des Tanzes ruhig, frei und vertrauensvoll gefühlt habe.
Gemeinsame Deutung der Karte:
Der Ritter der Kelche ist derjenige der Ritter, der langsam, aber stetig voranschreitet. Anna-Lena weiß, dass sie trotz mancher scheinbarer Hemmnisse stetig weitergeht und in ihrer persönlichen Entwicklung immer wieder einen wichtigen Schritt vorankommt. Anna-Lena möchte auch den Fluss überqueren. Ob sie durchs Wasser reiten oder hinüberspringen wird, das wird sich zeigen.
Ihre geistig-seelische Entwicklung ist ihr wichtigstes Anliegen.
2. Das ist jetzt reif
| Ritter der Schwerter – umgekehrt liegend |
Auch diesen Ritter tanzt Anna-Lena, bevor wir über ihn gesprochen haben. Es ist ein ganz ruhiger Tanz, bei dem sie auch immer wieder eine Weile einfach stehen bleibt.
Beim Zuschauen sehe ich, dass sie wirklich den Ritter der Schwerter in seiner umgekehrten Bedeutung tanzt, einen Ritter, der nicht voranstürmt, sondern sich viel Zeit lässt, sogar manchmal verweilt.
Anna-Lena hat während der Sequenzen, in denen sie einfach mit ausgebreiteten Armen stehen geblieben ist, ganz viel Freude gespürt.
Gemeinsame Deutung der Karte:
Anna-Lena neigt dazu, sich mental in der Zukunft aufzuhalten. Sie stürmt, wie der aufrechte Schwert-Ritter, ihren Zielen hinterher und versäumt dabei leicht, die Gegenwart zu genießen und die Freude, die ihr nur im Hier und Jetzt zuteil wird.
Anna-Lena möchte der Freude des Augenblicks mehr Aufmerksamkeit schenken.
3. Das will losgelassen werden
| Stäbe V |
Diese Karte tanzt Anna-Lena nicht. Sie sieht hier das Problem dargestellt, das sie aus der Tanzgruppe mitgebracht hat: Anna-Lena passt sich sehr schnell an die Wünsche und Forderungen anderer an, merkt dann, dass sie dabei zu kurz kommt, und reagiert in der Folge aggressiv. Das möchte sie ändern.
Gemeinsame Deutung der Karte:
Die Stäbe V ermutigt dazu, den uns zustehenden Raum für uns zu beanspruchen, ihn nötigenfalls zu erweitern und die Grenzen klar abzustecken.
Wenn Anna-Lena ihre Grenzen deutlich macht, wirkt sie auch auf andere eindeutig. Beim Betrachten der Karte fällt ihr auf, dass die dargestellten Figuren mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen.
Anna-Lena möchte in entsprechenden Situationen sich ihrer eigenen Bedürfnisse bewusst bleiben und mit der Kraft der Stäbe eventuelle Diskussionen und Auseinandersetzungen souverän, ja sogar vielleicht spielerisch führen, wie die Figuren auf der Karte. Sie steht dabei mit beiden Beinen fest auf der Erde.
4. Das hilft ihr dabei
| Bube der Stäbe |
Auch diese Karte möchte Anna-Lena nicht tanzen. Sie bittet mich um meine Deutung, da ihr die Karte keinen Eindruck vermittelt. Der Bube repräsentiert in den 4 kabbalistischen Welten das, was mit dem Feuer am Ende geschieht: Das Feuer ist ausgebrannt, aber keineswegs erloschen. Unter der Asche ist die Glut und kann jederzeit wieder angefacht werden. Es hilft Anna-Lena, zu wissen und zu spüren, dass ihre Kraft vorhanden ist und sie jederzeit darüber verfügen kann.
5. Das ist im Wandel
| Kelche VII | Zusatzkarte: Schwerter IX- umgekehrt liegend |
Anna-Lena will auch die Kelche VII nicht tanzen. Sie ist beeindruckt von den vielen Dingen, die da in den Kelchen angeboten werden. Weder ihre Eindrücke noch meine Deutungsangebote bringen ein Thema zum Vorschein. Also ziehen wir eine Zusatzkarte, um mehr Aufschluss zu gewinnen.
Gemeinsame Deutung der Karten:
Anna-Lena sorgt sich um vieles. Sie Sorgen-Szenarien sind meistens vielfältig und oft nicht in der Realität verankert. Anna-Lena möchte lernen, mehr auf ihre innere Führung zu vertrauen und ihre Sorgen loszulassen. Dieses Thema arbeitet schon in ihr.
6. Das braucht noch Zeit, zu reifen
| Der Eremit |
Auch der Eremit will nicht getanzt werden. Anna-Lena wird noch mehr zu sich selbst finden und erkennen, wer sie ist. Sie wird sich noch weitere Räume erschließen, aber das ist noch nicht an der Zeit.
7. Das Neue, was entstehen kann, wenn ich mich für den Prozess des Loslassens und des Wandels öffne
| Bube der Kelche – umgekehrt liegend | Kelche X – umgekehrt liegend |
Da sich mir der Bube der Kelche nicht unmittelbar erschließt, ziehen wir eine Zusatzkarte. Anna-Lena möchte die beiden Karten tanzen. Sie tanzt mit dynamischen Bewegungen im hinteren Teil des Raumes, der von Gebälk optisch in zwei Teile getrennt ist.
Während Anna-Lena tanzt, wird mir klar, dass es sich in beiden Fällen um Karten handelt, die am (vorläufigen) Ende einer Entwicklung stehen:
Die Kelche X ist am Baum des Lebens von oben (Kether/As der Kelche) gesehen die letzte und unterste Kelch-Karte (Malkuth/Erde). Der Bube repräsentiert in den 4 kabbalistischen Welten die letzte, unterste Sphäre (Assiah/Erde).
Anna-Lena sagt hinterher, dass sie den hintern Teil des Raumes tanzend mehr ausgefüllt hat als bei den Sequenzen davor. Sie hat sich dort gut gefühlt. Sie wollte aber nicht heraustreten und sich auch die andere Hälfte des Raumes erschließen.
Gemeinsame Deutung der Karten:
Anna-Lena hat sich den inneren Raum, der ihr derzeit zur Verfügung steht, gut erschlossen. Sie hat Themen ausgemacht, die sie zunächst abschließen möchte. Diese Entwicklung will sie zu Ende bringen. Erst dann werden sich neue Räume für sie auftun.
Da ich zunächst nicht wusste, wie sich Anna-Lenas Tanz mit der Legung verbinden ließe, habe ich mich dem Verlauf einfach geöffnet. Erstaunlich fand ich dann das energetische Zusammenspiel zwischen den Tarotkarten, dem Tanz und mir selbst. Anna-Lena brachte tanzend die Themen hervor, die den jeweiligen Karten im Kontext ihrer Legung entsprachen. Parallel dazu formulierten sich in mir die für Anna-Lena zutreffenden Bedeutungen. Und so waren wir beide sehr zufrieden mit dieser etwa 2-stündigen gemeinsamen Arbeit.