Die vier kabbalistischen Welten

In der kabbalistischen Lehre hat sich das Konzept der 4 Welten entwickelt, das für sich genommen schon einen Schöpfungsprozess beschreibt, darüber hinaus eng mit dem Baum des Lebens verbunden ist. Der Baum wird von oben nach unten in 4 Welten unterteilt
(Grafik). Sie repräsentieren 4 Stufen der Entwicklung oder Manifestation, d. h. wie aus einer Idee, einer Urform die begreifbare, sichtbare Form wird. Sie beschreiben, wie der reine Geist materielle Form annimmt.

Damit verbinden sich die Sephiroth am Baum des Lebens von oben nach unten gelesen mit der ihr zugeordneten Welt.

Dieser Schöpfungsprozess wird durch das Konzept der 4 Welten in sehr viel komplexer Weise symbolisiert als es hier dargestellt werden kann. Es lohnt sich, sich näher mit dieser umfassenden und genialen Symbolik zu befassen.*

Die 4 Welten sind

Atziluth - Die Welt der Archetypen, die Welt der Emanation
Briah - Die kreative Welt, die Welt der Schöpfung und der Erkenntnis
Jetzirah - Die Welt der Formung und der Bewegung
Assiah - Die Welt der Aktion, und des Handelns, die Welt der Verdinglichung und Manifestation, die materielle Welt

Vereinfacht lässt sich das z.B. am Bau eines Hauses darstellen:

Atziluth: Jemand hat die Idee, ein Haus zu bauen.
Briah: Nach und nach formiert sich die Imagination eines bestimmten Hauses. Er formuliert und konkretisiert seine Wünsche an die Gestaltung des Baues und lässt seine Erkenntnisse, die er gewonnen hat einfließen.
Jetzirah: Auf Jetzirah erhält das Haus eine erste materielle Gestalt in Form von Plänen. Der Bau des Hauses wird nun in Bewegung gebracht. Die Firmen und Handwerker werden beauftragt und beginnen ihre Arbeit.
Assiah: Das Haus wird gebaut und hat nun eine sichtbare materielle Form angenommen.

Es versteht sich, dass die 4 Welten nicht scharf voneinander abgegrenzt sind. Wie das Beispiel zeigt, gehen sie fließend ineinander über. Mit Hilfe der Welten 4 Welten kommen wir jedoch zu den entsprechenden Deutungen der Hofkarten.

* Einige weitere Anregungen:

Die 4 Welten sind auch verbunden mit dem sog. Tetragrammaton, den 4 Buchstaben des unaussprechlichen Namens Gottes (Jod-Heh-Vau-Heh). Jede Welt hat auch ihren eigenen Baum. Die Bäume können nebeneinander gestellt sein oder sich in Gestalt der sog. Jakobsleiter überlappen. Der fließende Übergang von einer Welt in die andere wird hier bildhaft dargestellt:
So befindet sich Kether von Assiah in Tiphareth von Jetzirah, Kether von Jetzirah in Tiphareth von Briah und Kether von Briah in Tiphareth von Atziluth.

Vorrangig verwendete Literatur:
Rachel Pollach „Der Kabbala-Baum“-ein Begleitbuch zum Gemälde „Baum des Lebens“ von Hermann Haindl. 2004.
Hans-Dieter Leuenberger Schule des Tarot – „Der Baum des Lebens“ - Tarot und Kabbala, 6. Auflage 1997
Heinrich Elijah Benedikt „Die Kabbala“ als jüdisch-christlicher Einweihungsweg“, Freiburg 2002

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